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25.05.2006  |  Volkswandertag Rengsdorf
Von: Anja Redlich

8. Westerwaldrun

Alljährlich findet an Christi Himmelfahrt im Westerwäldischen Rengsdorf ein Volkswandertag statt. Seit einigen Jahren wird im Rahmen dieses Wandertages auch der "Westerwaldrun" angeboten. Im vergangen Jahr waren Bine(=Ratze) und Rolf(=RatzeMann oder LegendärBär) aus meinem Lauftreff dort, um die 31km-Strecke zu laufen. Bis dato war Rolf sich sicher, dass er nicht mehr als Marathon laufen würde, doch da er die Strecke so toll fand, schlug er der Ratze vor dieses Jahr die 50km anzugehen. Gesagt getan ;-)


Jedes Jahr werden in Rengsdorf neue Strecken angeboten, die längste misst immer 50km. Gestartet wird gemeinsam mit eigener Zeitmessung um 8Uhr. Die 50km-Läufer müssen dann los, die Läufer für die kürzeren Distanzen (10, 30,30km) können auch noch später starten. Die kürzeren Strecken liegen auf der 50km-Strecke und gehen dann jeweils früher wieder ab richtung Ziel.
Das Wetter sah für Donnerstag gar nicht rosig aus, schon 10 Tage vorher war Regen gemeldet. Meist trifft so eine frühe Vorhersage doch nicht zu, aber hier sollte sie einmal mehr Recht behalten. Regen war gemeldet. Der erste Blick morgens aus dem Fenster versprach auch keinen trockenen Lauf. Aber was solls, ich habe nicht trainiert, um den Lauf wortwörtlich ins Wasser fallen zu lassen. Um kurz nach 6 stehe ich mit gepackter Tasche und gut hydriert vor der Tür und warte auf das Himmelfahrs-Abholkommando bestehend aus Bine und Rolf. Kurz vor ihnen trifft auch Frank bei mir ein, er kommt auch mit. Zu viert sitzen wir im Auto auf dem Weg nach Rengsdorf. 4 Ultra-Debütanten. Alle ein bisschen nervös. Mit Rolf ist gar nicht zu spaßen, er wollte bei dem Wetter nicht laufen, aber Bine hat beim Frühstück das Gemecker ignoriert und er ist tatsächlich mitgekommen (und hats hinterher vermutlich noch nicht einmal bereut).

Unterwegs eine kleine Pause an eine Autobahnrastplatz...Toiletten gibs da nicht, da muss ich im stömenden Regen auf die Wiese...auch egal, aber die Füße sind sofort nass. Da muss ich jetzt durch ;-)

Pünktlich gegen 7Uhr trefffen wir in Rengsdorf am Freibad ein. Viele Autos stehen noch nicht auf dem Parkplatz. Die Wanderer für die 50km sind um 6 Uhr gestartet. Im Freibad selber ist es auch noch recht ruhig. Wir holen uns unsere Startkarten für 9,- €, trinken noch in aller Ruhe Kaffee und Apfelschorle....ich pflitze x-mal aufs Töpfchen und ein bisschen Nervosität ist uns Allen anzumerken. Wir machen Bekanntschaft mit anderen Läufern und Bine hat die Chance dem Steppenhahn ein Busserl aufzudrücken ;-)

Ich entscheide mich aufgrund des Dauerregens gegen die Kurztight und krame meine Capri-Tights hervor, das war eine weise Entscheidung, denn die Sonne wollte sich den ganzen Tag nicht blicken lassen. Kurz vor 8 Uhr verlassen wir das schützende Dach des Freibades und begeben uns auf den Parkplatz, wo sich der Start befindet. Und dann...kein Nass von oben *freu* wen wunderts?? Wenn Engel laufen :-)

Eine kleine Einweisung erfolgt, die 30er Strecke ist tatsächlich 35 km lang (aber an der Abzweigung wollten wir ja eh vorbei laufen) und bei km 13 soll es mit einem kleinen Umweg eine wunderbare Aussicht geben (nun ja, bei dem Iggelwetter wohl eher weniger).

Dann erfolgt schon der Start. Ich starte meine beiden Polars und wir flitzen schon los. Kurz nach dem Start ist schon wandern angesagt, es geht einen schmalen extrem matschigen Trampelpfad hinab, ein Läufer vor mir legt sich hin...aber der Matsch ist schön weich, da tut er sich nichts...unten im Tal angekommen kann ich irgendwann wieder zu Bine aufschließen. Wir haben uns vorgenommen gemeinsam zu laufen, so lange es möglich ist. Schon bald suche ich ein feies Plätzchen um überschüssigen Tee loszuwerden ;-). Wir sind noch recht flott unterwegs, aber es läuft prima. Der erste Anstieg kam kurz nach km 4. Anfangs bin ich noch brav gelaufen, irgendwann wurde es mir dann aber doch zu viel und ich bin bis km 7 schon viel gegangen. Irgendwie war ich noch nicht warm genug um den ersten Berg zu erklimmen. Bei km 7,5 gab es die erste Verpflegungsstelle. An den VPs musste man auch jeweils die Startkarten abstempeln lassen, als Beweis, dass man tatsächlich die "gebuchte" Strecke gelaufen ist. An den VPs waren immer total nette Helfer "DANKESCHÖN". An dieser VP muss ich irgendwie mit meiner Polar an sämtlich Knöpfe gekommen sein, denn ich habe es geschafft, sie komplett platt zu machen, was mich natürlich extrem geärgert hat. Zum Glück lief die alte Uhr in der Tasche auch noch mit. Auf dem Weg zu km 10 habe ich wieder die Grunddaten (Datum, Uhrzeit, GebDatum etc. ) eingestellt, so dass ich sie dann ab km 10 wieder gestartet habe. So hatte ich zumindest wieder einen Puls *lol*.

Zwischen km 12 und 20 sind wir teilweise mit Kirsten und Markus aus Trier gelaufen....für sie war Rengsdorf nur ein "kleiner" Trainingslauf für Biel2006.

Kurz vor km 13 sind wir an einer Runine (?) vorbei gekommen und mussten sie einmal halb umlaufen. Bine hat es sich dort (und auch an vielen anderen schönen Stellen) nicht nehmen lassen, ein paar Fotos mit einer EinwegCam zu schießen. Auf wunderschönen Wegen ging es weiter durch den Wald. Leider war es teilweise sehr matschig und gefährlich....ab wir waren noch recht frisch und

An der VP2 bei km 15 gab es wieder einen Stempel, 2 Becher Tee und vorher noch ein Sqeezy. Bis dahin war es weitestgehend trocken, nur von den Bäumen tröpfelte mal der ein oder andere erfrischende Regentropfen. Irgendann hab ich meine Jacke ausgezogen und umgebunden, aber bereut, sie mitgenommen zu haben, habe ich es nicht..eher im Gegenteil.

Bei km17 hätte man sich entscheiden können, auf die 35er Strecke abzubiegen, das war aber nicht unser Ziel, also nur mal kurz auf das km-Schild geschielt, die Zwischenzeit gestoppt und tapfer weiter gelaufen. Bislang hatte ich bei HMs und Ms immer bei km 16-18 ein kleines Hängerchen.... doch nicht am Donnerstag *freu*. Von km 19-20 zog sich eine lange Gerade, es ging hinaus aus dem Wald in ein Gewerbegebiet. Kurz darauf setze der Regen ein. Bine hat sich die Jacke (die sie zwischenzeitlich auch umgebunden hatte) wieder an. Irgendwie hat das bei mir mit dem Trinkgürtel nicht geklappt und ich hab leise vor mich hinfluchend darauf verzichtet. Bergab machten sich meine bekannten Seitenstiche bemerkbar, aber ich konnte sie wegatmen, zum Glück.

Auf kleinen schmalen Trampelpfaden ging es weiter richtung Halbzeit. Bei km 22,5 noch eine kleine Teestelle mit kleiner Fotosession an der ich dann auch wieder meine Jacke angezogen und eine Banane verdrückt habe. Dann folgten einige km über freies Feld und rutschiger Wiese. Da war höchste Konzentration angesagt, dass man ja nicht ausrutscht oder umknickt. In weiter Entfernung sahen wir noch Markus und Kirsten...danach aber auch nicht wieder. Ansonsten gabs nur Bine, Anja und den wunderschönen Westerwald. Kurz bevor es wieder in den Wald ging überholte uns ein Moutainbiker, der fragt, ob die anderen Biker schon vorbei seien. Aber er war erst der 2., den wir überhaupt gesehen haben. Kurz danach viel mir auf, dass sich die Sohle von meinem Trailschuh löste. Dass der Schuh wegen mangelnder Qualität wieder zurück zum Händler wandert war vorher schon klar (und auch mit ihm abgesprochen), aber dass er sich ausgerechnet auf meinem ersten Ultra ganz auflöst, damit hätte ich nicht gerechnet.

Die km flogen teilweise nur an uns vorbei und ich war mächtig stolz auf uns. Wir haben unterwegs immer gerechnet, welche Trainingsstrecken wir bislang schon bezwungen hätten oder noch vor uns haben könnten. Es war einfach wunderschön und wir noch recht fit. Bei km 28 war die nächste VP. Ich hatte eine Trinkflasche mit Anja-Dope (Tee, Honig und Maltodextrin) deponierern lassen. Kurz vorher hatte ich noch daran gedacht....aber im Eifer des Teetrinkens und Sqeezy-mampfens irgendwie vergessen (viel mir dann bei km 48 wieder ein :-) ). Noch ein Stempelchen geholt, den Duft von Erbsensuppe und Würsten registriert und schnell wieder verdrengt, noch ein paar Fotos geschossen und weiter ging es.

Die Steigungen waren teilweise auch für mich laufbar. Irgendwo um km32 waren ein paar Treppenstufen zu erklimmen, die aber nicht wirklich schlimm. Oben angekommen schaute ich mich um und sah eine Läuferin in roter Jacke. Bine wollte es mir nicht glauben, zumal wir sie auch nicht weiter hinter uns gesehen haben. Aber an der nächsten Teestelle hat sie sich dann wieder blicken lassen. Es war Karin, wir hatten wie vor dem Start kennen gelernt, wie war mit Rolf und Frank im Frühjahr im spanischen Trainingslager. Der nächste Anstieg hatte es echt in sich. Da sind wir gegangen und quasi bei jedem Schritt im Matsch wieder um die Hälfte zurück gerutsch, zumindest kam es uns so vor. Oben angekommen mussten wir wieder über freies Feld laufen und waren dem Wetter ausgesetzt. Da hatte ich dann auch Schweini im Schlepptau und ich nutze die leichten Anstiege zum Gehen. Als wieder Wald in Sicht war mussten wir feststellen, dass wir noch eine weitere Runde auf freiem Feld drehen durften. Aber es war dennoch wunderschön. Der Westerwald mit seinen frühlingshaften Farbtupfern entschädigte für die ganze Quälerei.

Vom Veranstalter hatten wir vor dem Start erfahren, dass die "harte" Arbeit nach km 43 erledigt sei und die heftigen Steigungen dann vorbei seien. Vorher ging es noch mal für rund 3 km bergab, aber Gas geben, bzw. rollen lassen konnten wir da nicht, es war teilweise zu steil. So haben wir uns auf den nächsten Berg zum gehen gefreut. Und das haben wir dann auch gemacht. Unsere Gedanken schweiften zum Bittweg des Drachenlaufes. Man ist sich eigentlich immer sicher, dass die 2 km einen ja eigentlich gehend nicht kaputt machen können, aber die Realität sieht leider doch meist ganz anders aus. Oben angekommen sind wir wieder in einen leichten Laufschritt verfallen, aber immer wieder wurde es ein bisschen steiler, so dass wir uns das Gehen nicht haben nehmen lassen. Aber sobald wieder Wanderer in Sicht waren (die 35km Wanderer/Läufer waren wieder mit uns auf einer gemeinsamen Strecke) sind wir wieder in einen Laufschritt verfallen. Doch jedes noch so kleine Erdhügelchen, über welches wir sonst nur müde lächeln würde war schon ziemlich hart. Wir haben uns zum Ultra-dasein (jenseits der 43,1km Marke) gratuliert, so weit sind wir beide bis dato noch nie gelaufen. Bei km 45 die letzte VP. Ein Becher Tee (leider kalt) und weiter ging es, bzw. lief ich schon mal gemütlich vor, da ich anfing zu frieren, doch Bine hatte mich recht schnell ein und lief an einer gehenden Anja vorbei. So langsam fing alles an weh zu tun, und das linke Knie zwickte. Aber da musste ich durch. Ich schaltete meinen Turbo an (keine Ahnung, voher ich die Energie noch nehmen konnte) und schloss während der nächsten 2 km wieder zu Bine auf, die mich schon in sicherer Entfernung ahnte ;-) Pech gehabt :-). Ein klitzekleiner sanfter Anstieg wurde im gegenseitigen Einverständnis im Gehen bezwungen, die Wanderer bei jedem Km-Schild mit "Dreie, Zwei, Einer geht noch, einer geht noch rein..."-Gesängen geschockt und freundlich gegrüßt. Laufen ist was herrliches und wir waren uns einig, dass es (fast) nichts schöneres geben kann. Die letzten km liefen recht locker.... und ich freute mich nach dieser Schlammschlacht auf eine Dusche.

Nach 6 Stunden und 35 Minuten liefen wir unter Ausschuss sämtlicher anderer menschlichen Wesen händchenhaltend, jubelnd und Finale-grölend unter dem Ziel-Banner hindurch und fielen uns freudig in die Arme.

Unser erster gemeinsamer Ultra war geschafft (und wir auch).

Kurz darauf entdeckten wir Rolf, der schon frisch geduscht auf uns wartete. Er und Frank haben beide unter 6 Stunde ihr Ultra-Debüt gegeben. Ratze und ich haben uns Medaillen und Tshirts gekauft, unsere Urkunden ausstellen lassen und ich bin erst mal unter die Dusche gesprungen.

Nach Erbsensuppe, Würsten, Kaffe, Kuchen & Co. haben wir uns irgendwann auf dem Heimweg gemacht. Im Auto saßen hart erkämpfre 200km, weniger als der Hin- und Rückweg von Hennef nach Rengsdorf.

Wir waren uns alle einig, dass dies bestimmt nicht der einzige Ausflug in die Ultra-Szene war.







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