 |
Startseite Archiv 2004
15.05.2004 | Rennsteiglauf 2004 Von: Ronny GerbachMein erster Marathon - der Rennsteiglauf 2004Ich mache schon mein ganzes Leben lang Sport in allen Formen (Laufen, Fahrrad, Fußball, ...) und hatte es mir auch vorgenommen irgendwann einmal einen Marathon zu laufen. Zur Umsetzung dieses Vorhabens hatte ich mir das Jahr 2004 vorgenommen und begann richtig mit Trainingstagebuch und nach Plan zu trainieren. Als erstes Jah-reshighlight wollte ich zur Vorbereitung den Halbmarathon beim Rennsteiglauf laufen und dann im Spätsommer oder Herbst. Doch es kam etwas anders: ein Mitorganisator überredete mich den Marathon beim Rennsteiglauf in Angriff zu nehmen und so meldete ich mich für die Marathonstrecke (43,1km) an.
Als Vorbereitungsplan habe ich einen speziellen Plan von einem der Laufsponsoren genutzt. Als Zielstellung hatte ich mir eine Zeit so um 4h ausgerechnet und auch einen Zeitplan ausgearbeitet (Ziel: 03:57:03 h bei 5:30 km/h), jedoch stand für mich das An-kommen ganz oben.
Die letzten Stunden vor dem Lauf
Meine Sachen habe ich am Vorabend gepackt und bin alles mehrere Male durchgegan-gen, bis ich mir sicher war, dass ich auch wirklich alles habe und nicht am frühen Mor-gen alles auf den Kopf stellen muss. Um einigermaßen munter auf die Strecke zu ge-hen, legte ich mich dann gegen 21 Uhr ins Bett. Die letzten Stunden liefen dann etwa wie folgt ab:
0200 - Angst erfüllt aufgeschreckt und Wecker überprüft (alles bestens...)
0415 - Aufstehen, Frühstück
0500 - Abfahrt in Richtung Erfurt
0600 - Abfahrt des Zubringerbus nach Schmiedefeld
0730 - Ankunft in Schmiedefeld, 20min vor der Toilette anstehen, Füße präparie-ren, Umziehen etc.
0830 - Klamottenabgabe + Aufwärmen
0845 - Einreihen in den Startblock
Die Stimmung vor dem Start war großartig. Die meisten Läufer, die am Start waren, lie-fen den Rennsteiglauf zum x-ten Male (deutlich an den Schildern erkennbar „25x da-bei“, „20x dabei“ usw.). Traditionell wird vorm Lauf erst mal gemeinsam gesungen (das Rennsteiglied natürlich) und dann zum Schneewalzer geschunkelt. Alle darunter auch ich freuten sich auf den Start (ich neige nicht zur Nervosität, aber die letzten Stunden im Bus und vorm Start war ich es).
0900 - Start (endlich!)
Die Strecke
Der Rennsteiglauf nennt sich selber den längsten Crosslauf Europas. Die Strecke ver-läuft über 43,1km von Neuhaus (am Rennweg) nach Schmiedefeld über den Rennsteig mitten durch den Thüringer Wald. Ca. 12km sind davon Straßen bzw. betonierte Rad-wege, der Rest Wiesen- und Waldwege jeglicher Art und Zustand.
Höhendifferenzen: Starthöhe 820 m NN; höchster Punkt 841 m NN; Zielhöhe 711 m NN in Schmiedefeld, Anstiege: 667m, Abstiege: 736m
Das Wetter
Glück gehabt!! Nachdem es in dort in der Vorwoche noch mal ordentlich geschneit hatte und es am Freitag regnete, herrschten am Lauftag ideale Bedingungen herrlicher Son-nenschein bei optimalen Lauftemperaturen.
Das Rennen
Nach dem Startschuss kam ich recht gut weg. Die ersten 6 km waren auf der Straße zu laufen bevor es dann ins Gelände ging. Dort habe ich dann auch meinen ersten Split gemacht und 3 min unter Plan (-3) bei einem Puls im Bereich von 140-150, was mich dazu bewog weiter das Tempo zu laufen. Im Wald war das Laufen etwas schwieriger: engere Wege in jeglichem Zustand (mal trocken, mal schlammig, mal steinig ...), max. 3 Personen konnten nebeneinander laufen (überholen ist da auch nicht gerade einfach) und der erste Anstieg in Richtung Verpflegungspunkt 1 bei km 10,8 stand bald bevor. Dieser war aber gut zu bewältigen, weil er nicht all zu steil war. Split bei VP1: -4. Die Verpflegung war sehr gut. Ich habe mich für einen Becher des berühmten Schleims, Wasser (leider mit Kohlensäure, so dass ich später auf Tee umgestiegen bin) und et-was Banane entschieden und kleckernder Weise ging es weiter. Der nächste Verpfle-gungspunkt (mit leckeren Schleim mit Blaubeeren) lag bei km 18,8 und war gleichzeitig der höchste Streckenpunkt, aber auch bis dahin waren die Anstiege (und auch Abstie-ge) nicht so steil. Split VP2: -6 (Puls 150-160). Kurz davor musste ich jedoch noch mei-ne Notdurft verrichten und habe deshalb einen der vielen Bäume des Thüringer Waldes dazu mal näher betrachtet.
Von da ab wurde das Profil anspruchsvoller. Kurz nach der Verpflegung ging es das erste Mal richtig steil den Berg auf einem breiten aber steinigen Weg abwärts (ca. 56 Höhenmeter) und dann richtig nach oben (ca. 45 Höhenmeter). Dort angekommen be-gann meines Erachtens der schwierigste Teil der Strecke: steil bergabwärts (ca. 65 Hö-henmeter), auf einem engen Wurzel- und Geröllweg mit gelegentlichen Schlammpfüt-zen - höchste Konzentration erforderlich und überholen unmöglich. Unten angekommen war ich vollkommen aus dem Rhythmus und hatte auch schon 3min verloren (-3 bei km 22,7, Halbmarathondurchgang bei 1:52h). Von da ab ging es über einen relativ langen Anstieg (mit kleineren Bergabstücken), der kurz vor Neustadt (Verpflegungspunkt 3: km 28,8 Split: -2) noch richtig bissig wurde. Auf dem Weg dorthin hatte ich meine erste und auch einzige Sinnkrise des Laufs: „Was für ein Idiot bin ich eigentlich und was zum Teu-fel tue ich hier überhaupt? Komme ich jemals an oder werde ich am härtesten Anstieg der Strecke jämmerlich zu Grunde gehen...?“
Nach Neustadt ging es ein Stück bergabwärts und meine Motivationskrise war noch nicht ganz vorbei, da sah ich plötzlich das Schild KM30 und beim Blick auf meine Uhr: 02:41h (-3) ging irgendwie ein Ruck durch meinen nun auch schon leicht angeschlage-nen Körper und alles ging/lief wieder richtig gut. Kurz danach kam dann der schwerste Anstieg: ein steiler Geröllweg. Beim Blick von unten sah ich alle hochgehen. Durch meine wieder gewonnen Motivation lief ich den Berg zwar langsam aber doch schneller als die meisten Geher den Berg hoch und hatte ihn auch schon bald hinter mir. Oben angekommen ersuchte mich wiederum ein menschliches Bedürfnis und so betrachtete ich erneut ein Baum etwas näher, legte aber diesmal auf das Wurzelwerk etwas mehr wert. Beim Split an der nächsten Getränkestelle stellte ich fest, dass ich trotz allem im-mer noch voll im Plan lag (+/- 0 bei km 33,9). Bis zum nächsten Verpflegungspunkt war es auch nicht mehr weit. Es ging hauptsächlich bergab und nur ein kurzer aber auch bissiger Anstieg war zu bewältigen. Dort feuerte mich meine Schwägerin mit den Wor-ten: „Du bist auf die Minute pünktlich.“ noch mal richtig an (-0,5 bei km 37,83).
Von da ab ging es fast nur noch bergab und meine Hoffnungen unter 4 Stunden zu bleiben wuchsen immer mehr (-1 bei km 40). Schon bald war das Ziel und die vielen Zuschauer zu hören, da es aber teilweise recht steil bergab ging, konnte und wollte ich mein Tempo auch nicht mehr erhöhen. Dann war es endlich soweit: Schmiedefeld. Dort lag der tiefste Punkt der Strecke (622m üNN) und von da ab ging es bis fast ins Ziel noch mal knappe 90 Höhenmeter bergauf. Die Marathondistanz erreichte ich nach 3:51h (-1). Durch die ganzen Zuschauer ging es nun total bejubelt bergauf. Eigentlich wollte ich noch mal richtig loslegen, merkte jedoch ein Ziehen in der linken Wade und beschloss ruhiger anzugehen. Für den letzten km hatte ich ja noch knapp 9min (ein-schließlich 3min Reserve) Zeit um unter 4h zu bleiben. Oben angekommen war noch eine halbe Runde auf dem Sportplatz in Schmiedefeld zu drehen und durch den ganzen Jubel motiviert konnte ich noch mal richtig loslegen und passierte nach 03:56:40h das Ziel und damit war er vorbei „der Rennsteiglauf-Marathon, ein 1km längerer Marathon-Cross“.
Organisation
Der ganze Lauf ist meiner Meinung nach sehr gut organisiert und läuft sehr familiär ab. Die Strecke sind gut ausgeschildert. Die Verpflegungsstellen sind ausreichend und werden jeweils von ortsansässigen Sportvereinen betreut. Laut Ausschreibung ist der Rennsteiglauf, der Lauf mit der besten Verpflegung und ich denke, dass das auch nicht gelogen ist. Die Schwierigkeiten, z.B. dass Start und Ziel bei allen Läufen weit ausein-ander liegen, ist gut gelöst, da eine Vielzahl von Pendelbussen wieder zu den Startorten verkehren (zum Ultrastart in Eisenach nicht). Außerdem gibt es viele Zubringer- und Geleitbusse aus dem Umfeld, von denen ich auch einen genutzt habe. Der Zielbereich wirkt durch die ganzen Menschenmassen dort etwas überfüllt ist aber trotzdem noch gut überschaubar (durch Fragen habe ich alles gefunden). Duschen sind ausreichend vor-handen und, wie ich gehört habe, dieses Jahr auch das erste Mal separat für Männlein und Weiblein (fast jedenfalls). Warteschlangen gab es bei der Urkundenausgabe (die man aber auch über’s Indernett ausdrucken kann), am Massagezelt und manchen Fut-terstellen, denke aber, dass das überall vergleichbar ist.
Mein Fazit
Der Rennsteiglauf zählt wegen seines Profils und der Streckenbeschaffenheit nicht zu den einfachsten Läufen. Die Strecke ist vom Verlauf und von den Aussichten einfach wunderschön. Die Stimmung ist phantastisch. Sie ist nicht vergleichbar wie bei einem Stadtmarathon, weil dazu das Umfeld nicht vorhanden ist. Man wird aber in jedem Ort, in jedem Verpflegungspunkt (die alle auf Bergen liegen) durch Einheimische und Touris-ten und vor allem durch viele Wanderer und Mountainbiker im Wald angefeuert (ich ha-be einige Radler bemerkt, die die ganze Strecke nebenher abgefahren sind um anzu-feuern). Gegenüber einem Stadtmarathon braucht man als Hobbyläufer (laut anderer Läufer) knapp 0,5h länger. Ich persönlich kann diesen Marathon nur weiterempfehlen, weil er einfach anders als das ist, was ich bisher im TV verfolgt habe. Für Marathonneu-linge ist er aber nur bedingt zu empfehlen, weil zusätzlich zu der Distanz noch das Profil zu bewältigen ist.
Epilog
Nach dem Lauf habe ich doch recht schnell erholt und kam wohlbehalten am Abend zu Hause an. 3,5kg habe irgendwo auf dem Rennsteig liegen lassen. Das Treppensteigen ging erstaunlicher Weise richtig gut und Muskelkater hatte ich auch keinen. Am Sonntag (der Tag danach) musste ich aufgrund akuten Spielermangels auch noch 90min Fuß-ballspielen (Asche auf mein Haupt) und hatte dort nur mit etwas schwereren Beinen zu kämpfen. Jetzt ist Dienstag und ich fühle mich fast wieder normal. Gelegentlich erinnern mich meine Bein noch, was ich ihnen in letzter Zeit alles zugemutet, dafür dürfen sie sich diese Woche aber richtig erholen. Einzig und allein sind zwei Nachwirkungen ge-blieben: durch das Stauchen bei den Bergabstücken habe ich zwei Zehnägel zur Hälfte verloren :-((
Nachdem aber alles so gut gelaufen ist, bin ich jetzt richtig motiviert und halte Ausschau nach einer neuen Herausforderung (vielleicht ein neuer Marathon oder wieder ein schö-ner Crosslauf oder mal was ganz anderes?). Mal sehen, was sich ergibt...
|
Startseite Archiv 2004
|
|
RUNNER'S WORLD:
Die Lauf-Diätrichtig essen, richtig laufen, richtig schlank
 Rückentext
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
14,95 EUR
|