Verfasst am: 03.01.2012, 13:49 Titel: Laufstreak 2011 - Ein etwas anderer Laufbericht
Die Profi-Streaker (siehe z. B. www.streakrunner.de) mögen mir verzeihen. Es ist mir durchaus bewusst, das es Leute gibt die das bereits seit Jahren oder Jahrzehnten machen. Diese Läufer genießen nicht erst seit dem letzten Jahr meinen höchsten Respekt. Es ist deshalb wohl nichts besonderes, einen "370-Tage-Outdoor-Laufstreak“ hinzulegen . Dennoch möchte ich hier meine Erfahrungen und Erkenntnisse aus „einem Jahr täglich Laufen für Normalos“ wiedergeben.
Wie gesagt, ich bin weder ambitionierter Wettkampfläufer, noch hab ich die Möglichkeit meine Zeit und meine Läufe völlig frei einzuteilen.
Vielmehr wollte ich mir beweisen, das es auch für einen 40-Stunden arbeitenden Familienvater, Hausbesitzer, Sohn und Hobbysportler möglich ist, so was durchzuziehen. Meistens wiegt dabei die logistische Leistung wohl mehr als der rein läuferische Ertrag.
Hier also meine Erfahrungen, Tops und Flops der letzten 370 Lauftage. Die Ausgangslage und täglichen Erfahrungen hab ich ja schon im Trainingsforum während des ganzen Jahres dokumentiert.
Statistik: 370 Läufe wurden an 370 Tagen absolviert (27.12.2010 bis 31.12.2011), dabei hab ich insgesamt 1.563 km Wegstrecke in drei Ländern (klingt doch gut oder?) zurückgelegt. Die kürzeste dabei gelaufene Strecke betrug 2 km, die längste 16 km. Mein Gewicht hat sich in dieser Zeit nur um 2-3 kg (nach unten) verändert.
Laufwoche: Bedingt durch meine individuelle Belastbarkeit hat sich folgende Einteilung bewährt: MO-DI-DO-SA kurze Läufe zwischen 2 und 4 km, MI und FR jeweils 6-8 km und Sonntags ein „langer Lauf“ > 8 km. Dadurch kam ich auf einen Wochenumfang von 25-35 km. Zur Regeneration hab ich normalerweise alle 4-6 Wochen den Umfang für eine Woche um 50 % reduziert.
Motivation: Mit zunehmender Dauer immer größer, manchmal auch wechselnd aber wirklich zwingen musste ich mich vielleicht nur 2-3 mal.
Gesundheit/Risiken: Da ich vor dem Streak nicht mehr regelmäßig gelaufen bin, waren die anfänglichen Wochen-KM (40-50 km) zu hoch angesetzt. Im Lauf der Jahres hatte ich auch immer wieder beidseitig mit „Freund Achilles“ und der hinteren Oberschenkelmuskulatur zu kämpfen , was die Sache im Sommer beinahe mal beendet hätte . Gegen „Bürotätigkeitsbedingte“ Rückenprobleme hat mir das Laufen meist sogar geholfen. Erkältungen haben mir nur 2-3 mal während des Jahres zu schaffen gemacht. Nur in den letzten Tagen des Streaks musste ich hier die langen Läufe komplett streichen um über die Runden zu kommen . Das Wichtigste ist aber die Läufe vom Umfang her so zu dosieren, das man die Belastung durchstehen kann. Grade bei Erkältungen (Fieber!) oder drohenden schlimmen Verletzungen (Muskel- oder Sehnenriss) gilt es aber seinen Körper richtig einzuschätzen und notfalls das Ganze auch beenden zu können. Das hab ich mit Sicherheit während des Jahres gelernt. Ich räume aber auch ein, das das zwei oder dreimal auch hätte schief gehen können. Barfusslaufen: Wollte ich während der Sommermonate ausprobieren, hab ich dann aber wegen der Achillessehnen-Probleme lieber nicht gewagt.
Alleine-Laufen: An sich sollten 1-2 Läufe in der Woche mit Laufpartner stattfinden. Aber weder meine Kumpels noch meine Frau haben hier länger durchgehalten. So hab ich ca. 350 Läufe alleine bestritten. Schade!
Laufplanung/Logistik: Das Thema schlechthin! Normalerweise gleich nach der Arbeit zwischen 17.00 Uhr und 19.00 Uhr (Klamotten wurden schon am Vortrag bereitgelegt). Hin und wieder wenn etwas dazwischen kam (Essen, Besorgung, Termine) auch später (sehr schwierig!) oder frühmorgens vor der Arbeit (zwischen 4.30 Uhr und 6.00 Uhr, bei Minusgraden eine echte Herausforderung). Am Wochenende meist immer zur festgelegten (weil besser planbaren) Zeit Samstag-und Sonntag Nachmittag. Insgesamt ist aber eigentlich für jeden Lauf (incl. Anziehen, aufwärmen, dehnen und duschen) mindestens 1 Stunde nötig gewesen.
Strecken: 3 landschaftlich schöne, von mir oft frequentierte Kurzstrecken zwischen 2-4 km um hier dem Verkehr aus dem Weg zu gehen, 1 Rundkurs mit variablen Längen. Wichtig war hier, erst mal loszulaufen (um keine Zeit zu verlieren) und dann erst genau darüber nachzudenken, wo es eigentlich lang gehen könnte. Auch die Dauer des Laufes hat sich im Rahmen des Wochenplanes oft aus Lust und Laune ergeben. Im Urlaub am Strand, an der Uferpromenade oder auch mal auf einem Feldweg im Skigebiet.
Fazit: Eine interessante Erfahrung die ich sicher (im Rentenalter) wiederholen werde (1000 Lauftage am Stück ist doch eine andere Hausnummer.....)
Bei meinen körperlichen Voraussetzungen zu Beginn des Streaks waren mehr tägliche Laufkilometer nicht drin. Hierfür hat die Regeneration nicht ausgereicht. Wenn ich das wieder mal versuche dann nur, wenn mehr körperliche und läuferische Stabilität vorhanden ist sowie andere, Regenerationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Wie geht es weiter?: Der Lauf-Streak wird wie bereits im Trainingsforum andiskutiert, in einen täglichen „Sport-Streak“ umgewandelt. Die Woche enthält dann 2-3 Läufe, Stabilisierungs- und Krafttrainingseinheiten (2-3 x wöchentlich) oder Alternativ-Sport-Tage (Radfahren, Skaten, Skifahren, Schwimmen...) zur Regenaration zählen dazu auch längere Spaziergänge. Moto: Kein Tag ohne Sporteinheit!
Hallo Rio, interessanter, spannender und lehrreicher Bericht. Vielen Dank dafür.
Ich bewundere die Leistung schon sehr, denn das ist echt eine Herausforderung, körperlich aber sicherlich auch mental. Wirklich toll gemacht!! _________________ Grüße
Laufsemmel
.... jeden Tag ein bisschen Laufen - das sagt sich so einfach im normalen Alltag ist das gut möglich - aber wehe es kommen mal Arztbesuche, berufliche Termine oder sonstwas dazu dann wird es stressig und eng.
Ich drücke Dir für den Sportstreak alle zwei Daumen
Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deinen Vorhaben.
Gruß, Lutz _________________ "Wer sich vom Zufall leiten lässt, erreicht auch nur durch Zufall etwas."
(Francesco Guicciardini, 1483-1540, italienischer Politiker und Historiker)
PB: 10 km - 00:45:42; 15 km - 01:13:26; HM - 01:46:25; M - 03:44:54
Cool Rio, glückwunsch.
Ich hab das ja auch mal gemacht über 280 Tage glaube ich, da gings mir so wie dir. Das Logistische war die größte Herausforderung.
Weiterhin alles Gute! _________________ Mut zur Lücke......
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