5.Marathon, 2 Grad warm, Bestzeit, Sub 3:30, Hüftprellung - - - - -oder alle guten Dinge sind fünf (nicht drei) !
Am 28.10.12 war es mal wieder soweit ->Marathontime<- ....Dieses Mal habe ich mir Frankfurt ausgesucht. Angemeldet war ich ja schon seit Januar oder so, glaube ich zumindest...Das eigentliche Projekt begann dann im August mit der konkreten Vorbereitung. Ich war ja mit der stetigen Verbesserung bei jeden der bisher 4 absolvierten Marathons wirklich nicht unzufrieden, aber die Zeiten passten einfach nicht zu meinen Halbmarathonergebnissen.
Nach dem letzten M in Hamburg im April 2012 (3:4 entschloss ich mich Mitglied im Greif-Club zu werden. Durch das bisherige Anwenden der kostenlosen Pläne bei den Läufen in München und Hamburg war ich ja einigermaßen mit der Struktur des Greif-Trainings vertraut. Als Mitglied im Greifclub erhielt ich dann aber ganz individuelle Tips und Trainingspläne. Diese persönlichen Pläne wollte ich umsetzen, so gut es nur irgendwie geht .
Ihr werdet es nicht glauben, aber dies waren bei der konkreten Vorbereitung nun weniger Km als bei den M's zuvor, getreu dem Motto: Qualität vor Quantität. Das Vorgaben sind hart, aber natürlich alle freiwillig
Nach meiner HM-Bestzeit im September in Karlsruhe, hatte ich das erste Mal das Gefühl, daß in Frankfurt wirklich was "gehen" könnte...
Doch dazwischen kam immer wieder der ein oder andere Dämpfer...Erkältung, kleine Zipperlein hier und da, berufliche Themen, usw. So ca. zwei Wochen vor dem Marathon passte dann alles wieder, rechtzeitig um sich in der M-Woche wieder verrückt zu machen: War's das ? Wirklich keine Probleme ? Wirklich lockere Muskeln ? Keine Krämpfe ? Die Schuhe jetzt schon gewählt ? Usw. Ich weiß, ich weiß...man kann sich jederzeit selbst den Kopf verbiegen..und ich stehe da meistens dann in der ersten Reihe ) So bin ich halt
Ja und dann war's soweit....Wir machten das Wochenende zu einer Family-Aktion. Die Familie hatte ja immerhin auch im Vorfeld genügend zu leiden und wollten mich nun am Wettkampfwochenende mit aller Stärke unterstützen.(Das war auch gut so und mit Sicherheit auch einer der Erfolgsfaktoren). Alex vom Team Evaldo ermöglichte es, daß wir uns alle in Bad Homburg bei Ihrer Mutter einquartieren konnten. Ebenfalls mit dabei vom Team Evaldo war Tanja, die leider aus gesundheitlichen Gründen ihren ersten Marathon nochmals verschieben musste. Sie mochte trotz unfreiwilligem Startverzicht die auf die Atmosphäre und alles drumherum nicht verzichten...Vielen Dank an dieser Stelle jetzt schon mal an Alex für die Orga, an Alex-Mama für die Unterkunft der ganzen Bande, an Bianca für die Unterstützung bei der Kids-Betreuung, an Volker für die letzten Tips+Tricks und natürlich an Tanja....war ja nicht einfach, beim geplanten 1. Marathon nun zuschauen zu müssen.
Ja, freitags abend bei leichtem Nieselregen angereist...verabredete ich mich mit Radbegleitung Alex für die letzte Einheit am Samstag (= 2km)....Um 8:00 Uhr gings los...so ein Sch....wetter. Schneeregen erster Klasse, aber auch diese letzte Einheit wurde plangemäß mit Steigerungsabschnitten eingehalten. Ich dachte bzw. hoffte, daß der Wetterbericht für den Sonntag wie angekündigt mit kalt aber trocken Recht haben würde....
Am Sonntag morgen fuhr ich dann doch alleine relativ früh Richtung Messegelände....zum einem brauchten die Kids den Schlaf (der M-Tag wird sowieso für alle hart...), zum anderem brauchte ich einfach meine Zeit und Ruhe um die letzten Minuten mich mental auf die Sache einstimmen zu können.
Es war frisch..wirklich frisch, als ich mich nach der Abgabe der Klamotten in meiner "Opferbekleidung" Richtung Start zum Aufwärmen begab. Der Sprecher verstand es mit guter Stimmungsmache die 2 Grad etwas wärmer empfinden zu lassen. Mittlerweile sollten meine Fans auch da sein, ich konnte sie in der Menge aber nicht ausfindig machen. So ist das halt, bei über 16.000 Startern und ein vielfaches davon an Zuschauern....
Na ja...so 2-3 maximal mal werde ich sie schon an der Strecke sehen können...so stellte ich ich mich zumindest mal drauf ein. Eine Steigerung, bei den letzten M's war ich immer allein unterwegs
Die Zeit bis zum Start verlief für mich gefühlt rasend schnell...Gemeinsam wurde runter gezählt um dann wieder zu warten. Diese Zeit war jetzt ätzend..Es dauerte letztlich über 6 Minuten bis ich an Startlinie war. Von Rhytmus finden zunächst keine Spur....zuviele falsch platzierte Teilnehmer...Ich ärgerte mich kurz über den teilweisen zwanghaften Walker- Schnitt, bis ich jäh aus meinen Gedanken gerissen wurde, "Paaapppppaaaaa" brüllten meine Töchter Mara und Lena samt Begleiter in die trabende Menge. Viel zu Spät und ehrlich gesagt auch noch nicht damit gerechnet, habe ich zum ersten Mal die lautstarke und motivierende Unterstützung meiner Fans wahrgenommen. Kurz danach konnte ich dann auch endlich etwas "Fahrt" aufnehmen und mich auf mein durchschnittlichesTempo einstimmen.
Wie schon gesagt, pendelten sich die Temperaturen so irgendwo zwischen 2 und 5 Grad ein. Die später erscheinde Sonne sorgte für "Freundlichkeit", aber wirklich wärmer wurde es nicht!. Zwischen den Hochhäusern von Mainhattan war es relativ windstill. Die Km 1-9 verliefen in der Innenstadt von Frankfurt auch aufgrund von vielen Eventpoints und zig Richtungswechseln relativ schnell. Nach einem kurzem Abstecher Richtung Schwanheim (oder s.ä.) mit bestimmt 10 der angekündigten 25 Hm ging es schon Richtung 1. Mainüberquerung. Meine Fan-Truppe konnte ich abermals an Km 9 und 12 freudigerweise erkennen und auch abklatschen.
Auf der südlichen Mainseite hielt sich die Stimmung bis zur HM Grenze etwas bedeckt. Dies änderte sich aber ab km 22 auch wieder total....Mega Bands..vor allem Trommler und sonstige Stimmungsmacher waren hier zugange.
Super Leistung der jeweiligen Vereine. Ach ja, die HM-Zeitmessmatte passierte ich bei 1:44,06. Dies war genau nach (meinem) Plan..ca. 11 Minuten langsamer als beim HM in KA und 7 Minuten schneller als beim M in Hamburg.
Bei so ca. Km 24-25 wurde der Main wieder in Richtung Norden überquert. Dies ist eine relative langgezogene Aktion (=Mini-Steigung). Hier erfuhren wir über die Lautsprecher eines Streckenfahrzeug, daß soeben Patrick Makau den Lauf mit 2:06 beendet hat. ! Der hat seinen Rekord verpasst, aber ich war mir sicher das ich meinen persönlichen Rekord brechen würde. Dies teilte ich auch lautstark bei Km 26 meinen 5 mitgereisten Fans mit. Das tut so gut, wenn da jemand Tafeln mit Aufmunterungssprüchen hochhebt....
Doch dann passierte irgendwas in den nächsten 2-3 Km. Schlagartig ging es mir schlechter. Wahrscheinlich lag's daran, daß ich für die nächsten 15 Km eigentlich 20 Sekunden im Schnitt zulegen wollte....zumindest war's so geplant. Bei Km 28,5 verstanden meine Fans die Welt nicht mehr, als sie mein Gesicht sahen und einen nun unrunden Laufstil an mir ausmachten. Vor wenigen Minuten musste ich noch ganz anders ausgesehen haben. Ich muß gestehen, die Tempoverschärfung wäre etwas zuviel des Guten gewesen und auch völlig unnötig, da ich ja ohnehin schneller losgelaufen war wie vorgegeben..so ein blöder Versuch von mir.
Jetzt hatte ich ein wenig zu kämpfen, die bisher gewohnten 4:50 min/km wieder zu finden. Unpassend hinzu kam, daß die Km 30-35 an der "bolzgeraden" Mainzer-Landstraße lagen. Wenig Abwechslung und hin und wieder unangenehmer Gegenwind. Jetzt könnte ich die Fans brauchen...es waren an dieser Schnellstraße ohnehin wenig Zuschauer. Nur die Straßenbahngäste winkten den Läufern zu....und schon war die Bahn wieder weg.
Ein paar Minuten später fuhr die nächste Bahn langsam an der Läuferschlange vorbei....eihhh, da sah ich sie wieder, meine Fans standen wild gestikulierend in der Bahn an einer Türe. Ich musste jetzt richtig lachen und konnte wieder "normal" laufen. Das war gerade noch rechtzeitig.....Als die Bahn dann weg war, kullerte mir (könnt ihr gerne glauben) eine Träne über die Wange. Schon jetzt haben wir uns öfters gesehen, als wir alle für möglich hielten.Und das immerhin zwischen über 16.000 Läufern und wahrscheinlich 10mal soviel Zuschauern.
Unterwegs sah ich ein Schild mit dem Aufdruck: "Jede Minute Zweifel verschenkt 60 Sekunden das Gefühl es zu schaffen". Oh wie wahr...das passt zu 100 Prozent. Ab Km 36 ging es wieder in die Innenstadt. Dort war die Bahn mit den Mädels auch schon angekommen. Nun hieß es "beißen und kämpfen". Zwischen all den Hochhäusern waren nun alle 500m sogenannte Hotspots mit geilen Bands. Mein Tempo konnte ich nun nicht mehr ganz halten, aber das war mir jetzt wurscht...Ich wollte nur noch auf den roten Teppich in die Festhalle. Von diesem kann man übrigens ein Stück erwerben. Da ist dann die Zielzeit und der Name drauf. So eine Art Urkunde eben. Es ist schon Wahnsinn, mit was die Veranstalter so alles Geld machen. Ist aber ne ganz orginelle Idee, finde ich.
Viele Kurven weiter, so ca. bei Km 41 gaben die 5 nochmals alles für mich...Super !
Jetzt konnte ich nochmals so richtig beschleunigen, ab jetzt tat überhaupt nichts mehr weh. Die Endorphine haben da ganze Arbeit geleistet. Am Vorabend empfahl mir Volker noch, daß ich in der Festhalle durchaus auf 7:00 min/km verlangsamen sollte um den Einlauf und die letzten 60m auf dem Teppich richtig geniessen zu können. So ähnlich hatte ich es mir vorgenommen.
So...und dann passierte etwas saudoofes....Ca. 200 m vor dem Ziel (quasi kurz vor der Festhalle) kreuzte mich abrupt ein Läufer auf dem Weg zur Absperrung um jemanden abzuklatschen oder so.... In relativ hohen Tempo hakte er bei mir (oder ich bei ihm) ein und ich knallte längsseits bzw seitwärts (habe mich noch sauber auf die Seite gedreht) auf den Asphalt. So ein Aufprall bei einer Endspurt-Pace von ca. 4:20 min/km hat was.... Der Typ hatte sich mit zwei-drei Stolperschritten zur Bande gerettet und lief dann einfach weiter. Nach einer Schockpause rappelte ich mich auch wieder auf und stürmte Richtung Ziel. Zum Glück habe ich den Kerl nicht mehr gesehen....sonst wäre ich wahrscheinlich disqualifiziert worden. Das Volk tobte, als er einfach weiter lief....und für mich gab es einen riesen Sonderapplaus, als ich aufstand, mich kurz sortierte und wieder los lief. Auch nicht schlecht....und dies alles inclusive Hüftprellung
Auf allen Zieleinlaufphotos ist mir nichts anzusehen, ich hatte ja auch keine Schmerzen und die Schürfwunden niwahrgenommen. Noch nicht....
Erst unter der Dusche wurde mir klar, als ich meine Hüfte und meinen Ellbogen so ansah, was da hätte passieren können. Ich darf gar nicht dran denken. Das hätte auch das vorzeitige "Aus" für mich bedeuten können ...puhhh !
Wie schon gesagt, den Zieleinlauf auf dem roten Teppich habe ich genossen...und das war mir wichtiger als so einen unfairen A...... zu jagen. Die Stimmung, die Lichtershow und die vielen Zuschauer sorgen wirklich für Gänsehautstimmung pur...
Ich bin einfach nur Happy. Dies war jetzt der 5. Marathon mit 5. Bestzeit: 3:28:04 Std.
Die zweite Hälfte absolvierte ich in 1:44:06 (also trotz Zwischenfall nur 8 Sekunden langsamer). So konstant bin ich noch nie gelaufen
Ich werde weiterhin nach Peter Greif trainieren. Immerhin verbesserte ich meine M-Zeit um über 20 Minuten. Bin mir aber auch sicher, daß die Unterstützung vorort auch für einige Minuten Verbesserung gesorgt hat.
Nochmals herzlichen Dank an meine Frau Martina und an meine Kids sowie an Alex und Tanja. Ihr ward spitze.
Viele Grüße
Schnoty _________________ Jede Minute Zweifel verschenkt 60 Sekunden das Gefühl es zu schaffen...
DAS sind doch die Berichte die man gerne liest!
Danke dafür.
Glückwunsch zu der super Zeit und einem wohl wirklich runden Wettkampf.
Ganz rund wird es wohl auf diese Strecke niemals durchgehend laufen, ich denke einen kleinen "hänger" muss man immer einkalkulieren.
Gruß
Heimü _________________ Auf dem Weg.
Oberkörper und Bauch/Rückenmuskeln werden weiter trainiert.
Die Beine dürfen mit den neuen Einlagen nun mal wieder etwas traben ... bisher kein Gezicke vom Fersensporn, dafür ist die rechte Wade im Eimer und hält mich derzeit vom Laufen ab.
Und herzlichen Glückwunsch zu der klasse Zeit.
Wow, wie gleichmässig. Und dann noch so ein Chaot kurz vor Schluss. _________________ Wien 2011 (03:59:01); Augsburg 2011 (04:14:03); Frankfurt 2011 (03:56:06); Ulm 2012 (03:58:51)
Manche Leute sind doch echt bescheuert... was anderes fällt mir dazu nicht ein! Gut, dass Dein Adrenalin-Spiegel wohl so hoch war, dass Du den Schmerz nicht gleich gemerkt hast.
Erhol Dich gut; liebe Grüße,
Mary _________________ Ein Mensch, der keine Dummheiten macht, macht auch nichts Gescheites.
Einfach bombastisch, sowohl der Bericht, spannend bis zum Ende, als auch die Hammerzeit.
Da hat sich das harte (Greif-)Trainig ja richtig gelohnt.
Und das du den Blödmann am Ende nicht mehr erwischt hast, ist wohl wirklich besser gewesen... Ich kann das gut nachvollziehen, wahrscheinlich hätte ich ihn bei einem nachträglichen Wiedersehen umgehauen
Gruß, Lutz _________________ "Wer sich vom Zufall leiten lässt, erreicht auch nur durch Zufall etwas."
(Francesco Guicciardini, 1483-1540, italienischer Politiker und Historiker)
PB: 10 km - 00:45:42; 15 km - 01:13:26; HM - 01:46:25; M - 03:44:54
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