Night52…der Ultra über die Kraichgauhügel

Dieses Thema enthält 6 Antworten und 6 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Andy67 19. Juli 2013 um 18:28 Uhr.

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    Hallo zusammen,

    nach langer Abstinenz im Forum hier von mir nun wieder mal ein Bericht:

    Kurz-Bericht zum Night52

    Gleich nach meinem letzten Marathon in Frankfurt des vergangenen Jahres suchte ich nach einer weiteren Herausforderung. Da fiel mir dann wieder der Night52 in Bretten ein. 2011 startete ich mit Laufkollge Marty dort zusammen in einer Staffel bei der sogenannten Uraufführung. Dies hatte mir so gut gefallen, dass ich mir eine Einzel-Teilnahme über 52 km durchaus vorstellen konnte. Gedacht, gesagt (Genehmigung bei der Family eingeholt ;-) ), angemeldet im Dez 2012 und schließlich dann auch nun am 13.7.2013 „getan“.

    Meine konkrete Vorbereitung nach Trainingsplan startete 12 Wochen vorher. Aufgrund zahlreicher unglücklicher Umstände fehlten mir gegen Schluss aber einige lange Läufe. Nichts desto trotz wollte ich immer und zu jeder Zeit antreten. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Beim ersten Ultra-M wird es ohnehin eine Bestzeit sein, also alles eine Frage der eigenen Erwartungen.
    Folgende Prioritäten hatte ich mir gesetzt:

    1. Gesund ankommen
    2. Spaß haben (…um den nächsten Lauf auch noch machen zu wollen)
    3. Vor Mitternacht ankommen (Start 18:00 Uhr)
    4. Nicht aufregen, wenn’s mit Punkten 1-3 doch nicht klappt ;-)

    Ich bin jetzt mal ganz frech und sag’s schon vorher: Punkt 1-3 erfüllt ! Punkt 4 entfällt :-))

    Der Start war gegen 18:05 Uhr Vor uns sind die TN des 5km des gleichzeitig stattfindenden Citylauf in Bretten gestartet.
    Gemeinsam mit ca. 100 weiteren Ultraläufern geniesse ich die Runde durch die Altstadt bzw. Fussgängerzone von Bretten. Diese dauert so knapp 2 km…man unterhält sich, sucht nach Tempo-Gleichgesinnten, Grüppchen bilden sich um sich auch schon bald wieder zu verlieren. Ich unterhalte mich kurz mit Norman Bücher, einem Extrem-Ultraläufer aus Waldbronn, der nächste Woche am Eiger-Berglauf über 102 km starten wird. Er ist hauptberuflich Vortragsredner und Mental-Coach…ich hatte auch unabhängig von seiner Teilnahme zu wissen ein sehr gutes Buch von ihm gelesen…cooler Typ.
    Desweiteren lerne ich Joe Kelbel lernen. Er ist das wahre Urgestein der Ultra-M-Szene. Allein letztes Jahr hatte er 53 Marathons und U-Marathons absolviert ! Er läuft dabei nie um Platzierungen, sonder immer um Spaß zuhaben und Foto’s zu schiessen und Berichte zu schreiben: http://www.marathon4you.de/laufberichte/night-52/nights-in-white-bretten/2124
    Ich hatte nur vergessen zu fragen, was er eigentlich beruflich macht ;-))

    Noch nicht richtig aus Bretten in Richtung Sprantal unterwegs, kam auch schon die erste Rampe für die insgesamt über 900m zu bewältigenden Höhenmeter. Ich hatte mich sehr gut darauf eingestellt, auch schon aufgrund der nicht niedrigenden Abendtemperaturen, nicht wie von mir gewohnt ohne Ende loszupacen und die Hügel getreu dem Motto „schnell erledigen“ zu wollen.
    Dies fiel mir ausnahmsweise leicht, da die meisten um mich herum das gleiche taten….ein zügiger Gehschritt am Berg ist oft nur unwesentlich langsamer wie laufen, beruhigt den Puls aber umso mehr.
    Trotzdem wurden wir ohne Ende von zahlreichen Läufern überholt…entweder sind dies wahre Top-Läufer (aber warum sind die dann nicht sofort vorne weg ?) oder sie überschätzen sich und die Hitze incl Höhenmeter und wir werden sie wieder holen…

    Bis km 14 ging es eigentlich mit wenigen Ausnahmen nur bergauf. Kurz danach fingen wir (kleine 4er Gruppe) wirklich die meisten zu schnell gestarteten Läufer wieder ein.
    Der Night52 ist generell relativ hügelig, die meisten Hm sind aber definitiv vor der Wechselstelle (Knittlingen) zu bewältigen. Lange flache Passagen gibt es nicht so viele.

    Die insgesamt 6 Verpflegungsstellen sind top ausgestattet. Sehr freundlich und kompetente Helfer verteilen Saft, Wasser, Cola, Malz-Bier, salzige Sachen, süsse Sachen, div. Riegel, Hefezopf, etc. (wahrscheinlich habe ich noch was vergessen aufzuzählen ..)

    Zwischen Km 24 und 34 war ich sehr viel allein unterwegs. Ich genoss die untergehende Abendsonne und war überrascht wieviel Wärme die Weinbergmauern unterhalb des Derdinger Horn so abstrahlen können..
    Mal überholte ich, mal wurde ich überholt…ganz leichte Ermüdungserscheinungen muskulärer Art stellten sich ein…also wieder etwas Tempo rausnehmen.
    Kurz vor Grossvillars lernte ich dann einen Holländer kennen. Ein ganz lustiger Typ, der eigentlich zum Wandern in die Pfalz wollte, dann aber über Umwege beim Night 52 gelandet ist. Am Ortseingang von Grossvillars steuerte er zielsicher die erste private Grill- und Versorgungsstation an und war nur schwer davon zu überzeugen, daß dies noch nicht die offizielle Stelle war. Erst als ihm mindestens 3mal ein Viertele Trollinger-Lemberger unter die Nase gehalten wurde, trabten wir weiter. Wein war zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt sein (unser) Ding ;-)
    Generell gab es einige Grüppchen die ihre abendliche Zusammenkunft an die Strecke verlegten und die Teilnehmer anfeuerten. Stets eine willkommende Abwechslung nach oft zahlreichen Kilometern in „Einsamkeit“

    An der offiziellen VP in Grossvillars traf ich dann auf meine Frau Martina, die mich ab sofort an allen folgendenden VP’s empfing traf und entsprechend unterstützte.

    Ich vermied es bis ca. 22:00 Uhr die Stirnlampe einzuschalten. Der Sonnenuntergang war einfach zu schön. Plötzlich registrierten wir ein Feuerwerk….das bedeutete, dass der Sieger unter 4 Stunden im Ziel angekommen ist…Wow

    Als dann mal die klassische Marathondistanz geschafft war, konnte ich bzw. legte ich mal ganz ordentlich an Tempo zu. Dies führte zu zwei Unahnehmlichkeiten, zum 1. hatte ich kurz danach wieder mit muskulären Problemen zu kämpfen, zum anderen verpassten mich die Teamkollegen Georg und Jaque in Neibsheim an der VP. Ich war also in beiden Fällen zu schnell unterwegs :-(

    Gegen Ende musste ich nochmals einiges an Tempo rausnehmen, was aber meine Wunschzielzeit nicht gefährdete. Gerade rechtzeitig vor der letzten Steigung kurz vor Bretten lief ich auf einen erfahrenen Ultraläufer auf. Dieser wirkte relativ frisch und locker und zog mich etwas mit…..Als er erfuhr, dass dies meine erste Übermarathondistanz war, empfahl er mir mindestens 10 weitere…irgendwann schaltete ich auf Durchzug…ich wollte nur noch ins Ziel…
    Der Kollege zog an und war weg… Jetzt genoss ich in der Brettener Fussgängerzone den Applaus von den Straßenkaffee’s..herrlich…Standing ovations für mich…Gänsehaut pur…
    Bin ehrlich: Zum ersten Mal macht sich Stolz bemerkbar..es war ja jetzt nur noch ein knapper Kilometer…Super Publikum

    Kurz vom Stadion des TV-Bretten am Simmelturm machte ich nochmals langsam und ging kurz in mich um dann mit ausgeschalteter Stirnlampe auf die letzte Runde zugehen. Die Bahn war wunderschön mit Fackeln ausgeleuchtet. Die Liveband im Rahmen des Sportfest spielte noch…ca. 100m vor dem Ziel war das gerade gespielte Lied zu Ende und ich wurde laut angekündigt. Super gutes Feeling…nochmals durchziehen und jubeln.
    Auf der Ziellinie blieb ich stehen (bei den Großveranstaltungen bliebt einem dies ja meistens verwehrt) und grinste mir einen ab..ich hab’s geschafft…1. Ultra !
    Das anschließende Weiterlaufen zur Medaillienübergabe und Finisherbüffet incl. Relaxbereich sah dann eher aus wie „Storch im Salat“…:-)

    Am Sonntag und Montag bin ich dann etwas unrund gelaufen…aber was soll’s….der Schmerz geht und der Stolz bleibt !

    52km, 900Hm: 31. Platz unter 91 Finishern in 5h:31m

    Ich habe den Abend (Nacht) in Bretten noch gemütlich ausklingen lassen…..Das Volk der Ultraläufer ist ein Eigenes….ich habe alle Strapazen an diesem Abend irgendwie genossen, auch wenn’s nicht immer einfach war (ich war irgendwie darauf eingestellt) …Die mentale Stärke und der Wille, diesen Lauf zu finishen waren grandios.

    Gruß Schnoty (Markus)


     
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    Schön mal wieder von dir zu hören, Glückwunsch zur PB! :)

    Dein Bericht hört sich vielleicht einfacher an als es war, aber wenn es so war kannst du wirklich stolz zurückblicken. In Vorbereitung und im Wettkampf alles richtigt gemacht.

    Und danke für den Bericht.

    Gruß
    Heimü


     
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    Ihr Foris seid schon ein toller Haufen: es gibt welche, denen reicht das Laufen nicht, die müssen noch schwimmen und radfahren vorher, andere tigern mehr als 50 km durch die Nacht.. :roll:
    Glückwunsch von RS


     
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    Großes Kino… :anbeten:

    Herzlichen Glückwunsch zum ersten Ultra. Du machst ja Sachen. Wahnsinn. :lol:

    Die Veranstaltung hört sich nach deinem Bericht ja echt locker und cool an. Danke für den Bericht.

    Gruß, Lutz


     
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    Herzlichsten Glückwunsch,
    hatte zu spät von diesem Lauf erfahren wäre gerne dabei gewesen,ist aber jetzt vorgemerkt für nächstes Jahr.


    Gruß Wasseronkel
    ___________________________

    Unser Gesundheitswesen kostet zuviel, es schließt zu viele Menschen aus, und es fördert weder Gesundheit noch verhindert es Krankheit. Es ist Zeit sich zu erheben, reinen Tisch zu machen und die Verantwortung für unsere Gesundheit selbst zu übernehmen.


     
    (Teilnehmer)
    Mitglied seit: 12.09.2006
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    Ganz große Klasse !!! :applaus:

    Irgendwann, ja irgendwann laufe ich sicher auch mal wieder durch die Ulmer Nacht 8)

    Gratulation und Glückwunsch !!

    :welle:

    Viele Grüße

    Andy



     
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